Eindrücke von einer Kalahari Safari – 2012

Im Januar 2012 unternahm ich mit zwei Freunden eine Reise in die Kalahari, genauer: in das Naturreservat „Zentralkalahari“. Die Reise war für knapp zwei Wochen geplant, für die wir zwei Lagerplätze für jeweils knapp eine Woche im Norden des Schutzgebietes gebucht hatten: einen im Deception Valley und einen zweiten im Passarge Valley. Vor allem letzterer erwies sich im Hinblick auf seine Lage und die Aussicht auf eine weite Ebene als wahrer Glücksgriff. Von weitem schon sah man Gewitterformationen herannahen, konnte fantastische Sonnenaufgänge bei einer ersten morgendlichen Tasse Roibuschtee genießen und die unendliche Weite dieser herrlichen Gegend beinahe körperlich spüren. Begleitet wurden wir von einem ortskundigen Führer, einer Köchin, die uns Köstlichkeiten auch nach traditioneller afrikanischer Küche bereitete, und einem Gehilfen.

Vorher schon hatten wir andere Schutzgebiete an Chobe, Moremi, Boteti und in den Makgadikgadi- und Nxai-Pfannen besucht, sodaß wir nun die Kalahari kennenlernen wollten.

Die Kalahari! Zunächst sei mit einer recht häufig wiederholten, offenbar nicht auszurottenden, aber nichtsdestotrotz grundfalschen Einordnung aufgeräumt. Die Kalahari ist KEINE WÜSTE, als die sie oft auch in ernstzunehmenden Dokumentationen bezeichnet wird, sondern eine Trockensavanne. Dies ist vor allem wegen der Erwartung des Besuchers an Tier- und Pflanzenwelt, aber auch an das Wetter nicht nur eine Lappalie. Auch hier gibt es Regenzeiten, ergrünende Landschaften mit blühenden Pflanzen, eine durchaus vielfältige Tierwelt. Andererseits bietet die Kalahari als Trockensavanne Tieren mit großem Wasserbedarf nicht den geeigneten Lebensraum. Büffel, Flußpferde, gar Krokodile oder Wasservögel sucht man vergeblich, Elefanten sind selten anzutreffen, wenn überhaupt. Dafür findet man andernorts nicht oder nur seltener vorkommende Tierarten häufig, die mit den besonderen Gegebenheiten gut zurechtkommen: Der Gepard liebt die weite flache Ebene mit guter Sicht für seine Sprintjagden, Löffelhunde und Erdmännchen schätzen den sandigen Boden für ihre Bauten, Springböcke und Oryxantilopen beziehen die benötigte Flüssigkeit aus dem Gras der Savanne und bilden neben Gnus eine verlässliche Nahrungsquelle für Löwen, die hier durchaus häufig anzutreffen sind und sich vielfach durch eine eindrucksvolle dunkle Mähne auszeichnen. Aber auch kleinere Tiere wie Schildkröten, Ochsenfrösche, vielfältige und farblich äußerst exotisch anmutende Grashüpfer sind geläufig.

In der Regenzeit erblüht die Natur in beeindruckender Vielfalt. Vor allem die blühenden Akazien überziehen die Landschaft mit einem gelblich-silbrigen Schimmer. Zahlreiche kleine Blüten steuern im Kleinen eine Farbenpracht am Boden bei, die man so nicht ohne weiteres erwartet.

Überwältigend allerdings sind Stille und Weite der Savanne sowie Wolken- und Lichtspiele am Himmel. Der Himmel bietet ständig wechselnde Gesichter. Weiss-blauer Schönwetterhimmel läßt plötzlich einen Gewitteramboß heraufziehen, auf einen heftigen Gewitterregen folgt wieder Sonnenschein, dramatische Wolkengebilde begleiten den Sonnenuntergang. All dies wird eingehüllt in überwältigende Stille, die weder durch Verkehrs- noch durch sonstige menschenverursachte Geräusche gestört wird. Kein Flugzeug zieht einen Kondensstreifen in das unendliche Blau des afrikanischen Himmels. Der Mensch ist hier Gast in erhabener Natur, und das spürt er auch. Dies muß man mögen, um sich hier wohl zu fühlen. Wer allerdings diese Stimmung zu schätzen weiß, wird die Kalahari lieben und immer wieder hierher zurückkehren wollen. So wie ich!

Bilder und Text: TOM BRÜCHER